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Viele Überstunden – tatsächlich ein Zeichen für einen engagierten und produktiven Mitarbeiter?

Jeder kennt das Phänomen, entweder aus der eigenen beruflichen Tätigkeit oder von Freunden, Bekannten und Familienangehörigen: Überstunden.

Aus eigener leidvoller Erfahrung bei meinem früheren Arbeitgeber weiss ich, das bei einigen Unternehmen Überstunden zum guten Ton zählen – jeder, der dort schon ein paar Minuten oder – bewahre – sogar pünktlich zum regulären Arbeitszeitende auch tatsächlich Feierabend machte, galt als unproduktiv, teilweise auch als arbeitsunwillig oder faul. Und wir reden hier nicht von einer halben Stunde, die mal gemacht wurde, sondern von regelmäßigen Überstunden von zwei Stunden pro Tag minimum, an fünf Tagen in der Woche. So kamen im Monat mal ganz fix 40 oder noch mehr Überstunden zusammen – und das galt als üblich und normal. Und zwar ohne Bezahlung oder Freizeitausgleich – die Stunden verfielen mehr oder weniger. Das mag jetzt ein extremes Beispiel sein, aber ich habe auch von anderen Arbeitnehmern schon ähnliche Berichte gehört.

Die Frage dabei ist: Sind Überstunden wirklich produktiv? Vor allem, wenn es ein dauerhafter Zustand ist?

Es gibt sicherlich gute Gründe für Überstunden – wenn es zum Beispiel ein aktuelles Auftragshoch gibt, wenn gerade Urlaubszeit ist und sich die übliche Arbeit auf weniger Personen verteilt oder das Unternehmen gerade "einen Wachstumsschub" hat. In solchen Fällen hat – denke ich – niemand ein Problem damit, auch mal ein paar Stunden länger zu arbeiten.

Aber bedeuten reguläre Überstunden, die mehr oder weniger vorausgesetzt werden, tatsächlich mehr Produktivität, mehr Leistung?

Dazu sollte man natürlich einen Blick auf die Art der Überstunden und die Gründe und Anlässe dazu werfen. Ich behaupte: Viele der regulären Überstunden sind unnötig und alles andere als produktiv, sondern eher Ausdruck schlechter Managementkultur und mangelnder Büroorganisation (für die der jeweilige MItarbeiter eventuell noch nichtmal was kann). Nehmen wir als Beispiel den Typ des Abteilungsleiters – eventuell wurde er im Unternehmen aufgebaut, meist wird er heute aber von außen eingestellt als Abteilungs- oder Bereichsleiter. Viele der aktuellen "modernen" Führungspersonen haben das Bestreben, möglichst alles in ihrer Einflusssphäre selber kontrollieren zu wollen bis hin zum kleinsten Detail. Die wenigsten dieser "Führungskräfte" können wirklich führen, stattdessen verursachen sie mit ihrer Art der Abteilungsleitung (alles kontrollieren, keine Verantwortung abgeben wollen, sich selber um sachliche Themen kümmern) einen unglaublichen Arbeitsüberhang und zusätzlichen Aufwand, der Zeit, Energie und im Endeffekt auch Geld frisst. Zusätzlich wird Zeit in irgendwelchen Meetings verschwendet, deren Inhalt man bei vielen Meetings auch in einem kurzen Gespräch hätte lösen können. Ich behaupte an dieser Stelle mal ganz frecht: knapp 75% der Überstunden, die im Büroumfeld entstehen, also bei den verschiedenen Verwaltungen, Vertriebsabteilungen, IT-Abteilungen etc., sind unnötig.

Die meisten dieser Überstunden haben also nichts damit zu tun, das die Mitarbeiter besonders engagiert sind oder besonders produktiv – ganz im Gegenteil sind diese Überstunden oft nur ein Ausdruck dafür, das Mitarbeiter die mangelnden Führungsqualitäten ihrer Vorgesetzten, schlechten Aufgabenverteilungen und mangelnder Organisation im Unternehmen auf Kosten ihrer Arbeits- und Lebenszeit ausbaden müssen und die Überstunden statt zusätzlicher Produktivität und Effizienz ganz im Gegenteil ein Ausdruck von mangelnder Produktivität und mangelnder Managementfähigkeiten sind, der die betroffenen Unternehmen jedes Jahr Unmengen an Geld kostet, ohne ihnen dafür einen tatsächlichen Vorteil zu bieten.

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